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Afrikavorträge · Lesungen · Diskussionen · Filme
27.04.17
19:00-20:30
“Has civil society replaced revolution?” Postkoloniale Perspektiven auf Zivilgesellschaftliche Diskurse in Afrika
10555 Afrika-Haus Berlin, Bochumer Straße 25
Auch wenn das Konzept der Zivilgesellschaft mit ihren diversen Akteuren oftmals in Europa als emanzipatorisches Konzept diskutiert wird, ist in vielen Ländern Afrikas das Wort „zivil“ mit der „Zivilisierungsmission“ in den afrikanischen Gesellschaften und somit der Zeit der Kolonialherrschaft gleichgesetzt.
Nachdem in den 1950er bis 1970er Jahren eine Reihe von politischen zivilgesellschaftlichen Bewegungen aktiv für strukturelle und revolutionäre Veränderungen in den jeweiligen Kontexten sorgten, kann man seit den 1990er Jahren von einer weltweiten De-politisierung des Konzeptes der Zivilgesellschaft sprechen. Vor allem nach dem Ende des Kalten Krieges wurden zivilgesellschaftliche Akteure als Protagonisten von Rechenschaft und sozialen Dienstleistungen und letztendlich als Verbindungsglied zwischen Staat und Bürger sowie Partner in der sozialwirtschaftlichen Entwicklung betrachtet. Die Einführung von neuen administrativen Prozessen in Verbindung mit Ergebnisorientierung hat gleichzeitig dazu geführt, dass kleine NGOs (sowohl in Afrika als auch Europa) innerhalb der etablierten Finanzierungsprozesse kaum mehr arbeiten können. Als Ergebnis sehen wir das Entstehen von immer größeren und einflussreichen NGOs sowie das Anwachsen von Leistungen privater Unternehmen im entwicklungspolitischen Bereich der „Förderung von Zivilgesellschaft und Demokratie“. Lokale soziale Strukturen und Gemeinschaften werden vermehrt „zum Schweigen gebracht“ anstatt in politische Entscheidungsprozesse eingebunden zu werden. Westliche NGOs hingegen werden von marginalisierten Menschen teils abgelehnt und oftmals nicht als ihre repräsentativen und legitimierten Strukturen anerkannt.
Diese Veranstaltung stellt die Frage nach der Dynamik und Zukunft von Zivilgesellschaft in Afrika. Konflikte und Proteste nehmen in vielen Ländern des Südlichen Afrikas zu und institutionalisierte NGOs spielen dabei kaum eine Rolle. Die emanzipatorische und revolutionäre Kraft zivilgesellschaftlicher Akteure, welche während der Dekolonisierung Afrikas noch spürbar war, scheint verloren. Spiegelt das dominante Konzept der Zivilgesellschaft in Afrika aktuell tatsächlich die elitäre bürgerliche Schicht wider, welche die weitergeführten ungerechten politisch-ökonomischen Verhältnisse im postkolonialen Afrika stabilisiert? Können zivilgesellschaftliche Akteure unter den aktuellen politökonomischen Bedingungen transformativ wirken?
Die Veranstaltung findet auf Deutsch statt, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Referenten:  Prof. Dr. Tanja Kleibl - Soziologie im FB Soziale Arbeit, Katholische Stiftungsfachhochschule München und Prof. Dr. Ronald Lutz - Soziale Arbeit / Menschen in besonderen Lebenslagen, FH Erfurt
Diskutantin: PD Dr. Salua Nour - Arbeitsschwerpunkt Regionalstudien Afrika, FU Berlin
Moderation:  Andreas Baumert - Initiative Südliches Afrika (INISA) e. V.
Veranstalter: Berliner Afrikakreis der Initiative Südliches Afrika (INISA) und Society for International Development (SID-Berlin) in Kooperation mit dem Berliner Afrikahaus
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Hier finden Sie: “Has civil society replaced revolution?” Postkoloniale Perspektiven auf Zivilgesellschaftliche Diskurse in Afrika
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Donnerstag, 25.05.2017
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