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AfroPort Specials 2017
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Francis Kéré. Radically Simple
Von Gando in die Welt und zurück - mit neuen Ideen
Wer die Ausstellung eines Architekten aus Westafrika in München besucht erwartet wahrscheinlich schöne traditionelle Arbeiten, schließlich ist Westafrika bekannt für herausragende Lehmarchitektur, und die Pinakothek der Moderne steht für Anspruch. Also: Bauzeichnungen, Pläne, vielleicht Modelle und schöne afrikanische Fotos. Francis Kéré - sein Name fiel ja schon einmal im Zusammenhang mit einem Operndorf in Afrika, einer Idee des leider viel zu früh verstorbenen Christoph Schlingensief. Aber was war das für eine Idee - ein Operndorf in Afrika?
Wer die Ausstellung »Francis Kéré. Radically Simple« verlässt ist mit Sicherheit nicht nur überrascht sondern begeistert und in einer ganz besonderen Weise angesprochen von einer Art zu Bauen, die wir in Europa längst vergessen zu haben scheinen.
Francis Kéré, 1965 in dem kleinen Dorf Gando in Burkina Faso geboren, erlebte einen Traum. Er kam nach Deutschland, lernte die Sprache, studierte Architektur und gründete schließlich im Herzen unserer Hauptstadt sein eigenes Büro Kéré Architecture.
Dabei waren die Voraussetzungen für so eine Karriere wirklich nicht günstig. In seiner Kindheit gab es in Gando weder ausreichend sauberes Trinkwasser noch Strom und schon gar keine Schule. Als einziges Kind des Dorfes schickte ihn sein Vater in die Nachbargemeinde zur Schule. Dort saß er über Jahre in einem stickigen Raum und sah lange Zeit weder seine Eltern noch seine Freunde. Daran erinnerte er sich, als er schon während seines Studiums Geld für sein Schulprojekt in der Heimat sammelte. Nachdem er 50.000 $ gesammelt hatte und wusste, wie eine Schule gebaut wird, konnte er nicht mehr auf seinen Abschluss warten. Er musste beginnen. Aber die Ältesten in Gando waren schockiert als sie hörten, dass Kéré die neue Schule aus Lehm bauen wollte. Lehmbauten kannten sie, so bauten sie seit Generationen, aber Lehm ist nicht widerstandsfähig. Nach jedem Regen müssen die Gebäude repariert werden. Warum hatte er in Europa studieren müssen um ihnen das zu sagen? Durch viele Gespräche, mittels Zeichnungen, kleinen Modellen und einfachen Prototypen schaffte er es, alle zu überzeugen nach seinen Plänen zu bauen und sie bauten wie immer gemeinsam. Jeder packte mit an und es war ihm auch erlaubt worden, die alten Techniken zu verwenden. Die Fußböden wurden aus gestampftem Lehmboden erstellt und poliert, die Wände komplett aus Lehmziegeln hochgezogen, das Dach mithilfe einer einfachen weit überstehenden Metallkonstruktion obendrauf gelegt. Der große Abstand zwischen Wand und Dach ließ nicht nur mehr Licht hinein sondern auch die Luft zirkulieren. In Burkina Faso kann es 45 Grad heiß werden. Es waren sehr einfache, günstige und in vielen Teilen althergebrachte Methoden und Materialien, die er verwendete. Innovationen waren der große Dachüberstand, der das Ausspülen der Lehmzigel verhinderte, das metallene Dach oder das Gerüst für die Luftzirkulation. Später setzte er auf Zementbeimischungen für die Widerstandskraft und Tonkrüge zur Lüftung. Und es war ein Erfolg. Kaum hatte er es erklärt, machten die Dorfbewohner allein weiter. Als die Schule stand, wurden es viele Schüler, die auch aus Nachbargemeinden kamen. Eine Oberschule folgte, eine Krankenstation, eine Bibliothek. Es folgten Projekte in anderen Dörfern und auch das Operndorf in Remdoogo, Projekte in Mopti und Bamako (Mali), in Tete (Kenia) und Meroe (Ägypten), in Zhoushan (China), Barcelona,Mannheim, Münster, Weih am Rhein oder Berlin. Kété trug seine Ideen in die Welt und auch immer wieder zurück nach Hause - nach Ouagadougou. Hier entsteht sein vielleicht liebstes Kind - das Parlament, das den politischen Wandel verkörpern soll.
Dabei möchte Kéré vor allem zurückgeben, was ihm einmal die Frauen im Dorf gaben, als er sich nach den Ferien wieder von allen verabschiedete. In der Hoffnung, dass er eines Tages zurückkehren würde, hatten sie ihm ihren letzten Penny gegeben. Was er heute gibt ist immer an den lokalen Gegebenheiten und den Anforderungen der Menschen orientiert und vor allem eins - radikal einfach. Ein Beispiel: Da es in Gando noch immer wenig Strom gibt, verzichtet er Klimaanlagen und baut einfach mit Wind.
Mit seinem Büro Kéré Architecture arbeitet er weltweit an Entwurfs- und Baukonzepten und ringt dabei stets um ganzheitliche und nachhaltige Lösungen. Durch das Schaffen von Francis Kéré wird sozial engagierte Architektur nicht nur glaubwürdig sondern motiviert zum Weiterdenken in alle möglichen Richtungen.
Das Architekturmuseum der TU München präsentiert mit der Ausstellung »Francis Kéré. Radically Simple« die bislang größte Überblicksausstellung zu seinen ausgeführten Werken und laufenden Projekten. Die Ausstellung wurde von Kéré konzipiert und enthält außer Bauplänen und Modellen zahlreiche Fotografien und Videoaufnahmen, die das Fortschreiten seiner Projekte begleiten.
 
Die Ausstellung »Francis Kéré. Radically Simple« im Architekturmuseum der TU München ist noch bis zum 26.3.2017 zu sehen. Zur Ausstellung erschien im Verlag Hatje Cantz 2016 der gleichnamige Katalog mit Beiträgen von Lesley Lokko, Kerstin Pinther und Peter Herrle.
Begleitend zur Ausstellung finden in der Pinakothek der Moderne Vorträge und Filmvorführungen ( Burkina Faso Filmtage) statt.
 
gewonnen:
AfroPort hat 3 Ausstellungskataloge »Francis Kéré. Radically Simple« aus dem Verlag Hatje Cantz verlost.
Die Frage war:
Wo ist das Büro Kéré Architecture zu Hause?
Die richtige Antwort war:
Das Büro Kéré Architecture ist in Berlin zu Hause.
Gewonnen haben:
A. Mayer aus Bad Saulgau, O.Fourier aus Gießen und F. Bötel aus Bremen.
AfroPort wünscht allen Gewinnern viel Lesefreude und interessante Anregungen.
 
mehr Info:
Ausstellung Francis Kéré. Radically Simple
Katalog Francis Kéré. Radically Simple bei Amazon
Katalog Francis Kéré. Radically Simple beim Verlag Hatje Cantz
 
 
Teilnahme- und Durchführungsbedingungen:
Teilnahmeberechtigt sind volljährige Personen. Minderjährige bedürfen zu ihrer Teilnahme, der Zustimmung ihrer/ihres Erziehungsberechtigten. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
 
 
Dienstag, 28.03.2017
3.4.2000
erster EU-Afrika-Gipfel in Kairo
4.4.1960
Republik Senegal wird unabhängig. Nationalfeiertag
4.4.1968
der Führer der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den USA, Martin Luther King, in Memphis/Tennessee ermordet
In Marokko darfst du dich über nichts wundern. Wenn du einem fliegenden Esel begegnest, sag nur: "Allah vermag alles."
Sprichwort aus Marokko
 

AfroPort verlost 3 x
Francis Kéré. Radically Simple

aus der Ausstellung:








Fotos: Ausstellung Francis Kéré
von B. Schirpke

 

 

 

 

 

 

 


 
     
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